Friends with benefits

Sex mit einer guten Freundin?
Ist doch eigentlich nichts dabei!
Aber taugt „Casual-Sex“ als Alternative zu One-Night-Stands?
Oder musst du Freundschaft und Sex trennen?

 

„Casual-Sex“ nennen es die Engländer, „Fuck Buddies“ die Amerikaner.

Beide meinen das gleiche:
Ein lockeres, aber intimes Verhältnis zwischen zwei Menschen, die sich mögen. Die sich vertrauen und gut miteinander auskommen – sonst nichts.
Keine Eifersuchtsanfälle, kein du musst, kein wo warst du, keine emotionalen Erpressungsversuche. Aber eben gelegentlicher Sex in aller Freundschaft.

Etliche Psychologen und Paartherapeuten haben sich des Phänomens bereits angenommen. Als „neue urbane Kultur“ bezeichnet der Sexualwissenschaftler Ulrich Clement die freundschaftlich-sportlichen Dauer-Verhältnisse. Studien zufolge sind sie unter großstädtischen Mittdreißigern besonders weit verbreitet. Eine große Tageszeitung schoss gar mit der Schlagzeile: „Unverbindlicher Sex als Merkmal unserer Zeit.“

Aber eben darum geht es nicht beim „Casual-Sex“.

Nicht kühle Unverbindlichkeit „den Flirt“ zwischen den beteiligten, sondern das Gegenteil: Vertrauen, das Vermögen sich lustvoll fallen zu lassen. – eine Sehnsucht, die viele Singles umtreibt und die sich mit One-Night-Stands nicht immer erfüllen lässt.

Denn bei aller Aufregung, die Spontan-Aufrisse so mit sich bringen:
Irgendwann wird auch der abenteuerlustigste müde, sich jedes Wochenende neu auf den Markt der Begehrlichkeiten zu werfen, mehr oder weniger mühsam um jemanden zu werben um dann „abzuschleppen“.
Oder sich aus Internet-Portalen wie „first affair“ oder „poppen.de“ einen Anonymus nach dem anderen herauszufischen.

95 Prozent aller Sexualkontakte spielen sich laut Statistik in dauerhaften Partnerschaften ab.
Umgekehrt bedeutet das:
Auf Singles fallen nur fünf Prozent des Sexes ab, der weltweit im Umlauf ist.
So wenig, dass man es kaum glauben kann.

Anders ausgedrückt:
Nicht jeder Single mag auf das körperliche Vergnügen verzichten, nur weil gerade kein(e) feste(r) Partner(in) da ist.
Doch ein zügelloses, blindes herumturnen auf fremder Leute Matratzen – „Sex just for fun“ – gefällt vielen eben auch nicht.

„Casual“ bedeutet im Wortsinn „ungezwungen“ –und es liegt nahe, dass man mit einer guten Freundin letztlich und tatsächlich „ungezwungener“, direkter, und in jeder Hinsicht befriedigender Sex haben kann, als mit einer zufällig mitgenommenen Bar-Bekanntschaft.


Woher ich das weiß und warum ich so etwas behaupte?
Nun das erzähle ich euch gerne.

Anja* (*Name selbstverständlich geändert) und ich können schon immer über ausnahmslos alles reden. Da wir beide ziemlich eingespannt sind passiert dieses oft über einen Messenger.
Meist fängt es mit den kleinen Dingen an die uns beschäftigen bis wir dann, wie schon zwei- oder dreihundert Mal in unserem Leben, auf unser Standardthema kommen:
Liebe und Missverständnisse, ärger und begehren, Frauen und Männer – und warum das einfach nicht zusammenpasst.
Zwar sind auch wir „Frau und Mann“, potenziell also unvereinbar – dennoch zählt Anja zu meinen vertrauten, wenn es um Frauengeschichten, Erotik oder Sex geht.

Im Grunde sind wir Busenfreund.
Wir kennen uns schon viele Jahre, noch aus den wilden Disko-Zeiten Anfang der 90ér
Schon immer stand fest das wir eine Menge gemeinsame Interessen haben, beide ein wenig bekloppt und verstrahlt sind.
Trotz dieser Gemeinsamkeiten und dem gegenseitigen mögen hatten wir, jeder für sich, immer andere Lebenspartner.

„Du hast aber zugenommen“, „Was das für ein hässliches T-Shirt“
So was darf Anja mir ungeschminkt sagen.
„Habe da gerade eine am Start die kann schlechter Blasen als eine Kracknutte auf Entzug“, „Oh schau mal die da, die habe ich mal Outdoor von hinten genommen“
So was kann ich Anja erzählen und sie erwidert höchstens: so ein fetter Arsch ist doch eigentlich nicht in deinem Beuteschema.

Umgekehrt nehmen wir aber auch Hinweise und Tipps, gegenseitig und dankend an.

Also eine der seltenen platonischen und daher unkomplizierten Freundschaften zwischen Testosteron und Östrogen.

Egal, ob gerade Single oder gebunden, alle paar Tage oder manchmal Wochen führen wir Gespräche die oft sogar ins tratschen ausufern, – breiten wir die Aktualitäten unseres jeweiligen Liebeslebens voreinander aus, trösten uns oder feuern uns an und genießen die unverblümten Anmerkungen und Ratschläge des jeweils anderen Geschlechts.

Sie weiß wann ich geil bin, auf was für Weiblichkeit ich stehe, welche Probleme ich mit meinen EX hatte.
Ich weiß aber genau das gleiche von Anja.
Probleme mit dem aktuellen genau wie Probleme mit einem EX
Für gewöhnlich unterhalten wir uns, bis wir müde sind, und verabschieden uns dann – oder der eine Antwortet nicht mehr und damit ist das Gespräch dann auch beendet.

Ob mit einem „Tschüss schlaf gut du geile Muschi und lass die Finger über der Decke“ oder „Lass deinen Kerl am Leben, du Sexgöttin“
Und einem „Haha“ und „Tschüss du Spinner“
Oder aber mit dem besagten einfachen Abbruch des Gesprächs.
Nie war einer dem anderen Böse egal was wir uns erzählt haben, egal wie das Gespräch beendet wurde.

Doch irgendwann, vor ein paar Jahren passierte es.
Dieses Mal am Nachmittag und anders als sonst. Nämlich nackt bei mir.

An dem Tag hatten wir uns Hitzköpfig und gegenseitig und wieder per Messenger in Rage gequasselt, natürlich mit unserem Lieblings Thema Sex.
Dann gab innerhalb von Minuten ein Wort das andere und Zack war auf einmal nicht mehr das quasseln per Messenger, sondern sie kam zu mir.

Diese kurzentschlossene Begegnung am Nachmittag begann mit einem maximal zwei minütigen „Hallo“, „Da bist du ja“, „Alles gut“, „Komm rein“.
Gefolgt von einem Moment verstummten und uns angrinsten – etwas blöde grinsten, vielleicht. „Verstrahlt“, würde ich sagen, „Bekloppt“ würde Anja sagen.

Was dann folgte:
„Vögeln ohne Liebesschmuh, aber mit Wärme und Respekt“

Seiher läuft zwischen uns der „Sex mit einem guten Freund“

Unser Verhältnis würde ich so beschreiben:
„Es ist sehr viel mehr als ein One-Night-Stand, immer noch mehr als eine Affäre, aber auch angenehm weniger als eine Beziehung.“

Ich gebe zu:
Nie hätte ich mir vorstellen können, dass das funktioniert: Freundschaft plus Sex minus Besitzanspruch.
„Das ist mir zu kompliziert da bleibe ich lieber bei One-Night-Stands“, hätte ich gesagt.
„Das ist was für Gefühlsgestörte!“ hätte ich gerufen.
Weniger wegen mir -aber zu 100% wegen ihr, weil doch bekannter Weise bei Frauen immer Herzschmerz Gefühle ins Spiel kommen.

Pustekuchen:
„Sex mit einem guten Freund“ funktioniert!
Funktioniert besser als viele glauben wollen.

Damals bei unserem ersten „Sex mit einem guten Freund“ gingen wir noch davon aus, dass es eine einmalige Sache wäre.
Wir waren uns einig darüber das wir uns mögen aber uns nicht ineinander verlieben. Das wir einfach nur mal unverbindlich der Fleischeslust folgen, ohne Folgeerscheinungen und Herzschmerzgedöns.
Wir kannten uns ja schließlich gut. Wir hatten keine Probleme nackt voreinander zu stehen.
Was soll ich sagen? Der erste „Sex mit einem guten Freund“ war so vom Gefühl her wie:
„Wir sind schon jahrelang zusammen und trotzdem ist der Sex immer noch Wahnsinn“

Hat das ganze unserer Freundschaft geschadet? – NEIN.
Auch heute reden oder schreiben wir über üblichen Beziehungs-Psychoterror, das leidige Besitzen-, Verändern- und Kontrollieren wollen, mit dem wir in unserem jeweiligen Liebesleben zu kämpfen haben.
Aber auch über Erektionen, Schwanzlängen, Tattoos, die verschiedenen Formen eine Vagina, – oder übers Fett werden, alt werden… und und und.

Sie erfährt von mir das ich am Wochenende einen One-Night-Stand hatte und diese Perle meinen Schwanz in die Hand genommen hat als wäre sie beim Chinesen und müsste mit Stäbchen essen.
Anja gibt ihren unverblümten Kommentar dazu ab, genau wie ich, wenn sie mir erzählt das sie … … … … (… = Akte X)

Nach unserem damaligen ersten übereinander herfallen kommt es auch heute noch dazu das wir ab und an Körperflüssigkeiten austauschen. Ob nun mehrfach im Monat oder: mal wieder nach einer Pause von 8 Monaten.
Jedes Mal ist es aber das vertraute und das gegenseitige Vertrauen. Dass sich fallen lassen können. Mal ist es verrückt und mit einem Quicky zu vergleichen, mal ist es Sex wie bei einem Pärchen. Nur eins ist es nie: Langweilig.

Eigentlich könnt man sagen das wir beide das Optimum aus unserer Freundschaft herausholen.
Es gibt keine Eifersucht, keine Besitzansprüche, keinen Psychoterror, kein warum und wieso.

Klar, ich gebe zu das oftmals ich derjenige von uns beiden bin der mit dem körperlichen Sex anfängt. – MANN EBEN.
Aber auch sie hat schon dazu aufgefordert.

Ihr seht also das „Friends with benefits“ funktioniert.
Dass es funktioniert, wenn beide keine emotionalen Kellerkinder sind und ihr Leben auch LEBEN und nicht nur funktionieren, weil andere es so wollen oder vorgeben.
Moral hin oder Moral her? Wer hat festgelegt was moralisch ist und was unmoralisch ist?

Schlussendlich sage ich:
Anja ist eine Spitzenfrau – und ich wünsche ihr, dass sie eines Tages den richtigen findet und glücklich wird in der Liebe. Einen der sie zu schätzen weiß und sie so behandelt wie sie es verdient hat.
Dasselbe wünsche ich mir auch für mich.
Bis es so weit ist, treffe ich mich, wie so viele Teilzeit-Zwischenphasen-Singles, ab und an …
mit guten Freunden, den Friends with benefits

Kleines Schlusswort von mir, einem bei dem das: „Freunde mit gewissen Vorzügen“ funktioniert.
Emotionen sind auch hierbei wichtig.
Aber die Emotionen und Gefühle füreinander dürfen nicht ausufern.
Es darf niemals, ich wiederhole, NIEMALS ein Muss ins Spiel kommen.
Es geht hierbei um Casual Sex.
Ich sagte anfangs das es oft die Frauen sind die sich dabei verlieben oder glauben verliebt zu haben. Das Frauen immer mehr wollen als ungezwungenen Sex.
Nein auch wir Männer sind schlimm. Oft sind es die Männer die eifersüchtig sind oder werden, die ganz schnell Besitzansprüche geltend machen wollen.
Jungs:
Wenn ihr das erste Mal denkt: „Hey dein Rock ist aber zu kurz“
Wenn ihr das erste Mal fragt: „Wo warst du den gestern, hab versucht sich zu erreichen“
DANN HABT IHR VERSAGT. DANN HABT IHR „Friends with benefits“ zerstört.
Und zwar in doppelter Hinsicht.
Ihr habt einen Freund verloren und habt den Casual Sex verloren.

 

6 Gedanken zu „Friends with benefits“

  1. Oh scheiße.
    So einen freund will ich auch.
    Aber die gibt es leider zu selten. Alle würden gerne so ein Freund sein und scheitern dann genau daran was du als Schlußwort geschrieben hast. Selbst wenn sie sich vornehmen das sie es genau so wollen wie du hier schreibst.
    Es ist doch schon bei einem neuen Lover so. Nach nur zwei tagen die man zusammen ist meinen sie dich zu besitzen. Wollen dir Vorschriften machen. Haben gegen den Freund was und gegen den anderen erst recht. Wenn du sie das erste mal gefickt hast oder besser gesagt dich ficken lassen hast glauben sie das ab sofort alles ihr Eigentum ist.
    Ich kenne den Seitenbetreiber hier zwar nicht aber ja welche Frau von heute will nicht so einen Freund.

  2. Gebe Bea völlig recht.
    Der größte teil einer Beziehung besteht nach 5-6 jahren darin das der mann glaubt die frau zu besitzen. Das würden männer aber nie zugeben.
    Sie machen was sie wollen und wir sind die Hausmutter.
    Wie in dem Artikel treffen beschrieben ist dann dein Rock zu kurz usw.
    Der Sex wird zur Pflichtveranstaltung und hat lange nicht mehr den Pfeffer den er mal hatte.
    Männer sollten sich mal angewöhnen das man diesen Besitz dann auch pflegen muss. Wenn die meisten Männer ihre Frau so Pflegen würden wie ihr Auto wäre das alles anders.
    Aber das funktioniert nicht.
    Und dann möchte man so einen Freund wie in dem Artikel.
    Deswegen verlässt man ja nicht seinen Mann.
    Das ist dann Sex mit einem guten Freund wie hier beschrieben.
    Leider kommen Männer mit so etwas überhaupt nicht klar.
    Das sagen doch schon die nackten Zahlen.
    Wenn ein Mann eine andere vögelt dann war das immer nur ein Ausrutscher und einfach so passiert und das hat dann auch nichts zu bedeuten. Frau hat das zu verzeihen.
    Wenn aber eine Frau sich von einem anderen vögeln lässt ist sie eine Untreue Schlampe und er will sich trennen.
    Ja liebe unbekannte Bea ich hätte auch so manchesmal gerne so einen Freund gehabt.
    Der Autor dieser Artikel die unter der Rubrik Doktor Mensworld zu lesen sind scheint mir sowieso eine Ausnahme unter den Männern zu sein. Er weiß was er da schreibt.
    Frage mich ob der potten hässlich ist oder warum er single ist.
    Kann aber auch sein das er sich immer nur einfach durch die ganze Weltgeschichte vögelt.
    Irgendwo her muss er das was er in dieser Rubrik von sich gibt ja alles wissen 😉

    Ich sage weiter so. Lese diese Artikel zu gern. Immer ist wahrheit dahinter.

  3. Lange kein neuer Artikel mehr in dieser Rubrik gewesen und jetzt gleich so ein Hammer.
    gebe den beiden die vor mir kommentiert haben in allen punkten recht.

    Lieber Mensworld
    bitte mehr solche Artikel.
    Mehr deiner Erfahrungsberichte. Ich liebe es wie du die Wahrheit über die beiden Geschlechter ohne Schnörkel rüber bringst. Deine Tipps sind extrageil. Deine Berichte oftmals der Megahammer.
    Deinen Artikel über den Muschigeschmack werde ich nie vergessen 😉 😉
    Oder dieser So nicht meine Herren. Einfach zu gut

  4. Ich will auch so einen Freund der gleichzeitig mein Leasing Lover ist. So ab und zu kann man so einen gebrauchen. Reden ohne hintergedanken und dann bei bedarf ficken ohne hintergedanken.

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